D wie Dauerredner

Dauerredner, Besserwisser oder Langweiler? Wie Sie leicht aus Gesprächen herauskommen.

Jeder kennt Sie: Endlosquatscher, die einen nie zu Wort kommen lassen – von „Gespräch“ kann da eigentlich nicht mehr die Rede sein, denn hier handelt es sich um einen Monolog ohne Ende. Aber auch aus solchen Situationen gibt es geschickte Auswege: In diesem Blogbeitrag verrate ich Ihnen 5 Methoden, wie Sie sich von Dauerrednern verabschieden können.

Die Situation: nervig!

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Gestern war ich bei einem Charity-Konzert eines Social Clubs. Ich war eingeladen und hab mich sehr darüber gefreut, denn diese Veranstaltung ist immer hochkarätig besetzt – mit interessanten Persönlichkeiten aus Kunst und Wirtschaft. Deshalb war ich auch schon etwas früher dort, um das schöne Wetter und die Gelegenheit zum Kontakten zu nutzen. Ich stellte mich zum Tisch meiner Gastgeber, neben mir ein alter Bekannter, den ich aus meinem früheren „Leben“ aus der Politik kenne. Und was passiert zu meinem Leidwesen? Erst quetscht er mich über die aktuelle politische Situation und wie ich dazu stehe aus, und dann quatscht er ununterbrochen über sich selbst – was ihm in der letzten Zeit so alles an Ungerechtigkeiten widerfahren ist, über seine beruflichen Schwierigkeiten etc., etc. Er steht da und hört einfach nicht mehr auf. Und wir anderen so höflich, dass wir das eine ganze lange Weile über uns ergehen lassen haben …

So tickt der Dauerredner

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Die Wissenschaft bestätigt uns, dass der Mensch als soziales Wesen darauf programmiert ist, Kommunikation als ein wichtiges Überlebenswerkzeug zu nützen. Das wäre ja auch noch kein Problem. Außer es handelt sich um einen Vielredner, der in erster Linie nur von sich selbst berichtet oder uns ununterbrochen seine Erklärung der Welt mitteilen will. Cornelia Topf nennt uns die unterschiedlichsten Typen – vom Endloserzähler (der vom Hundertsten ins Tausendste kommt) über den Haarspalter (der sich in langweiligen Details verirrt) bis hin zur stressigen Quasselstrippe, die nur aus lauter Nervosität ständig herumredet.

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Ob beruflich oder privat – dieser Typus Mensch ist schnell erkannt. Der aufdringliche Zeitgenosse, der Sie mit Klatsch und Tratsch, mit Krankheitsgeschichten oder politischen Betrachtungen vollquatscht. Und kommt er erst einmal in Fahrt, ist er kaum mehr zu stoppen. Er redet hektisch, lässt andere nicht zu Wort kommen, und meist ist er dazu auch noch ein Besserwisser, gibt zu allem seinen Senf dazu. Es ist ihm auch egal, ob er seine Umgebung langweilt. Ja, er merkt es nicht einmal. Er kennt keine Atem- und keine Gesprächspausen. Also bekommen Sie als „Gesprächspartner“ auch keine Chance, eine Bemerkung zu machen. Geben Sie die Hoffnung auf, dass Sie irgendwann einmal einen Satz einwerfen können – der Dauerredner weiß das zu verhindern.

Was also tun?

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Es ist eines der heißdiskutiertesten Themen in meinen Seminaren: Wie mit einem Dauerredner umgehen? Einem, der endlos redet, alles besser weiß und andere nicht zu Wort kommen lässt. Eine äußerst nervige Sache, wenn die Gedanken nur um einen Punkt kreisen: Hört der denn niemals auf, wann atmet diese Frau eigentlich einmal durch? Dabei ist es relativ einfach: „Du musst dir die Erlaubnis geben, dich zu verabschieden, und je unhöflicher der andere ist, desto gröber darfst du selbst sein!“ Im schlimmsten Fall können Sie den Redefluss sogar mit harten Worten stoppen: „Meinen Sie wirklich, dass das jemanden interessiert?“ Normalerweise plädiere ich ja in 99,9 Prozent der Fälle auf Höflichkeit, aber manchmal geht es eben nicht anders …

Geben Sie sich die Erlaubnis, sich zu verabschieden.

Doch selbst Dauerredner lassen sich einbremsen – Sie müssen nur wissen, wie man das macht. Ich gebe Ihnen dazu

5 Methoden gegen Dauerredner:

  1. Teilnahmsloses Schweigen.
    Die effektivste „Waffe“ gegen Dauerquassler: Teilnahmslos schweigen. Denn jede Reaktion seines Gegenübers, egal welcher Art, verführt den Dauerredner dazu, seinen Wortschwall noch weiter zu verstärken. Ganz strikt: auch kein „Hm“ oder „Äh“ oder „Ja“.dauerredner, vielredner, smalltalk, kommunikation, networking, netzwerken
  2. Schenken Sie ihm keine Aufmerksamkeit!
    Setzen Sie dazu auch Ihre Körpersprache ein: Lächeln Sie nicht, nicken Sie nicht zustimmend mit dem Kopf, zeigen Sie keinerlei Form von Interesse. Stehen (oder sitzen) Sie einfach mit verschränkten Armen bewegungslos da. Schauen Sie in die Ferne, lassen Sie Ihren Blick herumschweifen. Damit Ihr Gegenüber auch unbewusst merkt, dass Sie nicht interessiert sind. Wichtig ist, dass Sie nicht die Krise kriegen, nicht aggressiv oder ärgerlich werden, sondern cool bleiben und den anderen so nehmen, wie er ist.
  3. Geschlossene Fragen für kurze Antworten.
    Und wenn Sie schon etwas sagen wollen oder müssen: Versuchen Sie, mit geschlossenen Fragen kurze Antworten zu erhalten. Also mit Fragen, die Ihr Gegenüber nur mit Ja oder Nein beantworten kann. Wenn jemand z. B. ausschweifend über seine Arbeit erzählt, fragen Sie: „Befindet sich Ihre Firma nicht neben diesem großen Gasthaus? Da war ich schon einmal essen, ist das heute immer noch gut?“ Und dann, in die Runde blickend: „Wer kann mir in dem Ort ein gutes Restaurant empfehlen?“ Irgendwer wird sicher auf Ihre Frage einsteigen…
  4. Thema wechseln!
    Auch bei Vielrednern hilft es manchmal, einfach das Thema zu wechseln. Lenken Sie das Gespräch – ohne auf den anderen und das, was er gerade erzählt, einzugehen – urplötzlich zu einer anderen Sache hin. Unterbrechen Sie einfach: „Ich war gestern im Theater und habe mir das Musical angesehen, wie hieß noch mal der Darsteller?“
  5. Hinterfragen
    dauerredner, vielredner, smalltalk, kommunikation, networking, netzwerkenBesserwisser sind Menschen, die zu allem und jedem etwas zu sagen haben, und dabei auch noch ganz genau wissen, wie man es machen muss – meist ausschweifend und wichtigtuerisch. Versuchen Sie doch, die Dinge zu hinterfragen: „Wie konkret haben Sie das gemacht?“ Oder: „Woher haben Sie diese Zahlen?“ Steigen Sie nicht in den Ring und wissen es auch noch besser oder haben noch interessantere Zahlen, sondern machen Sie klar, dass Sie das Thema nicht interessiert: „Das ist Ihre Meinung. Ich haben eine andere, lassen Sie uns doch heute keine Probleme diskutieren, lassen Sie uns ein anderes Thema anschneiden. Wie läuft es mit Ihren Kindern, im Beruf?“ Oder trauen Sie sich einfach zu sagen: „Das interessiert mich im Moment nicht, vielen Dank.“

Lange Rede – kurzer Sinn

Das alles heißt, dass Sie sich die Erlaubnis geben müssen, sich von Dauerrednern möglichst schnell zu verabschieden – je früher, desto besser. Picken Sie sich ein Wort heraus, das irgendwie in den Kontext passt, und verabschieden Sie sich (so wie bei C wie Closing). Das könnte folgendermaßen vonstatten gehen: „Apropos Rechtsanwalt! Meiner wartet auf meinen Rückruf! Dass muss ich sofort erledigen…“ Oder ich unterbreche direkt: „Entschuldigen Sie, ich sehe da Herrn Meier, mit dem muss ich ganz dringend etwas (geschäftliches) besprechen. Ist eine spannende Geschichte, die Sie da erzählt haben, jetzt muss ich mich aber leider verabschieden. Wir sehen uns.“

Waren auch Sie schon einmal in einer Situation, in der Sie nicht wussten, wie Sie reagieren sollen? Schreiben Sie mir ihr Problem mit einem Dauerredner in den Kommentaren oder per Mail – vielleicht finde ich eine Lösung und kann es im nächsten Blog ansprechen, damit auch andere davon profitieren können. Ich bin schon sehr gespannt auf Ihre Erlebnisse mit Dauerquasslern und Vielrednern.

Wussten Sie übrigens, dass…

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…Dauerreden auch eine politische Taktik sein kann? Im US-amerikanischen Senat bezeichnet man eine von Minderheiten geübte Praktik, durch Marathonreden Parlamentsbeschlüsse zu verzögern oder zu verhindern, als Filibuster. Und das ist nicht einmal ein neues Phänomen, sondern geht auf die römische Tradition der Ermüdungsrede zurück. Aber ich will Sie ja keineswegs langweilen…

Fazit:

Der Schlüssel zum Ausstieg aus Gesprächen mit Dauerrednern ist, sich selbst die erlaubnis zu geben, zu gehen.
Wichtig ist: Je unsensibler Ihr Gegenüber auf Ihre Versuche, etwas zum Gespräch beizutragen, reagiert, umso deutlicher können Sie werden. Lächeln Sie, nehmen Sie eine aufrechte Haltung ein, und wählen Sie einen bestimmten Tonfall. Und nicht vergessen: Geben Sie zum Abschied die Hand!
Viel Erfolg und gutes Gelingen! 😉smalltalk, netzwerken, networking, podcast, blog, small talk


Weiterführende Links:

Cornelia Topf: www.metatalk-training.de
Kommunikation – So klappt’s mit dem Vielredner



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